125. Geburtstag
Hermann Broch
60. Todestag
Bluatschwitz black box
präsentiert:
Ein Antifestival von 22. Juli bis 6. August 2011
Streit um Broch
„Antifestival“ deshalb, weil es in Sachen Broch tatsächlich nichts zu feiern gibt. Hermann Broch, 1938 gleich nach dem Anschluss im steirischen Bad Aussee inhaftiert, gelang wenige Monate später die Flucht in die USA, wo er sich - buchstäblich und tatsächlich – zu Tode arbeitete.
Sein bis zum Äußersten angestrengtes Bemühen galt den Ursprüngen und Vorraussetzungen jeglichen Faschismus. Vor allen Dingen jenen, die auch mit dem Sieg über Hitler nicht beseitigt sein würden. Sein Ziel war eine internationale Verantwortung für die Grundlagen der Demokratie. Deren größten Feinde sah er in der unreflektierten Hinnahme des Wertezerfalls, im Aufgehen der Kunst in Kitsch und Ästhetizismus, sowie im Sieg des Positivismus über jede Wahrheitssuche innerhalb der Philosophie.
Trotzdem Hermann Broch seither unbestritten zur anerkannten Weltliteratur gehört, wird sein Werk mit einer kurzen Unterbrechung in den 70er Jahren des 20. Jahrhunderts kaum noch gelesen. Die einzige Gesamtausgabe seiner Werke im Suhrkamp Verlag (als Taschenbuch!) ist vergriffen und wird seither nicht mehr aufgelegt. Seine Romane („Der Tod des Vergil“, „Die Schlafwandler“, „Die Schuldlosen“) geistern als unbekannte Größen durch den Literaturkanon. Seine philosophischen und politischen Schriften werden außerhalb engster Zirkel ignoriert. Dass Broch durch die teilweise hermetische Natur seiner Schriften daran selbst nicht schuldlos ist ändert wenig an einem Skandal, deren Opfer nicht zuletzt die aktuelle politische Situation ist. Seine Ideen zur Belebung und Kräftigung einer wahren demokratischen Ordnung wären gerade heute von ungeheurem Wert.
Ines Kratzmüller und Jürgen Kaizik