DER GEFESSELTE PROMETHEUS

Uraufführung 414 BC

Der Philosoph Ernst Bloch hat den PROMETHEUS als die „griechische Zentraltragödie“ bezeichnet. Und Nietzsche sah in ihr den Kampf zwischen dem kühnen „Einzelnen“ und der göttlichen „Noth“ auf der anderen Seite. Wir bringen dieses epochale Drama in einer eng am Originaltext orientierten zugleich auf Verständlichkeit ausgerichteten Neufassung.
Ohne Prometheus keine Menschheit, kein Fortschritt, keine Technik. Ein uralter Mythos erzählt, wie der Titan Prometheus die Menschen vor der Vernichtung durch den neuen Gott Zeus bewahrte. Wie er ihnen das Bewusstsein ihres Da- seins schenkte und die Mittel, dieses zu erhalten. Für beide Vergehen wurde Prometheus grausamst bestraft. Weil er die Menschen „zu sehr liebte“ nahm er unsägliche Leiden auf sich. Zugleich gab er ein Beispiel für den Mut zur Auflehnung gegen einen übermächtigen Gegner. Egal, welche Qualen ihm Zeus, der oberste der neuen Götter, bereitete, er beugte sich ihnen nicht.
Hier sitz ich, forme Menschen Nach meinem Bilde,
Ein Geschlecht, das mir gleich sei, Zu leiden, zu weinen, Zu genießen und zu freuen sich
Und dein nicht zu achten, wie ich!
Die Frage bleibt, inwieweit die Menschheit diesem Wunsche, den Goethe seinem Prometheus in den Mund gelegt hat, gefolgt ist – und wenn ja, wohin?