Im Stück selbst kommen die Menschen gar nicht vor – obwohl es im Wesentlichen um sie geht. Vor allem zeigt Aischylos den Kampf der Götter um die Vorherrschaft. Diese Götter stehen zunächst für nichts als die Mächte der Natur. Für das blinde Wüten des Elementaren. Zeus selbst geht mit rücksichtsloser Gewalt gegen alles vor, was ihm im Wege steht. Wenn es nach ihm ginge, würden die Menschen vernichtet. Sie haben noch keinen Platz im Ganzen. Dem Kriegsschauplatz „Natur“ sind die Menschen nicht gewachsen. Nur Prometheus, älter als Zeus, steht für etwas anderes. Für die mögliche Entwicklung der Menschen, und damit der Natur, nach einem einsichtigen, vernunftgestalteten Plan. Dass er diese Entwicklung tatkräftig befördern will, besiegelt sein grausames Schicksal. Aber dadurch hat er den Menschen Möglichkeiten eröffnet, ihr Schicksal anders und selbst zu gestalten. Der Besitz von Macht allein schafft keine Zukunft. Durch Prometheus ist der Mensch vor die Wahl gestellt: handelt er aus seinem Bewusstsein heraus oder nach den Regeln blinder Herrschaft. Die Götter als Manifestationen des bloßen Naturgeschehens geben ihm kein Vorbild. Aber das Stück zeigt, dass Bewusstsein vielleicht eine Chance hätte. (Auch wenn Prometheus sie mit unendlichen Qualen bezahlt hat.)