II: ANTIGONE

Fassung von Jürgen Kaizik nach Friedrich Hölderlin

Scheinbar nahtlos setzt das Drama der Antigone – das wohl berührendste Stück der Antike – die heutigen Konflikte fort. Aus den Machtkämpfen der „Oberen“ ist der Krieg für alle geworden. Gleichsam über Nacht werden Gesetze zum Kampf- und Druckmittel der Regierenden gegen das eigene Volk. Überwachungsstaat und Symbolpolitik nehmen den Einzelnen in die Zange.  Zuletzt ist es nur noch eine Einzelne, eine junge, auf sich allein gestellte Frau, die sich zu wehren wagt. Von da an stehen die Überzeugungen des autonomen Individuums gegen die Forderungen eines abstrakten Allgemeinwohls. Hinter den Parolen lauern die Kämpfe Mann gegen Frau, Macht gegen Recht, der Gott der Ordnung gegen den Gott der Liebe. 

Allerdings haben wir in unserer Fassung, die im Wesentlichen auf der Übersetzung von Friedrich Hölderlin beruht, den Schluss auf den Kopf gestellt, oder, richtiger gesagt, vom Kopf auf die Beine. Denn wenn Sophokles noch an eine umfassende Gerechtigkeit glauben will, so scheint den Heutigen dieser tröstliche Wille abhanden gekommen zu sein. 

Aline DREYER (DIE EINE)
Stefanie ELIAS (ISMENE)
Max GLATZ (HÄMON)
Christoph HAGENAUER (DER ANDERE)
Ines KRATZMÜLLER (ANTIGONE)
Paul WIBORNY (KREON)

Peter KAIZAR (Komposition)