DIE ORESTIE

Uraufführung 458 v. Chr.

Die berühmteste, verhängnisvollste und blutigste (Familien-) Geschichte der Weltliteratur, zugleich die einzige antike Trilogie, deren Text uns voll- ständig überliefert ist. Aischylos Version des uralten Mythos wurde an Wucht und Tiefe nie mehr übertroffen.
Hatte das Drama des PROMETHEUS von der Erschaffung und Rettung der Menschheit erzählt, zeigt die ORESTIE die von ihm geretteten Menschen in voller Aktion. Obwohl alle Akteure sich immer wieder auf das Schicksal und die Götter berufen, handeln sie zuletzt aus selbstsüchtigen Motiven. Gerade deshalb verstricken sie sich in etwas, das stärker ist als ihr Selbst. Der ungelöste Widerspruch zwischen Ichsucht und fehlender Einsicht führt zuletzt zur Selbstzerstörung.
Unsere Fassung macht aus den drei zusammen- gehörigen Stücken der Trilogie (Agamemnon – Choephoren – Eumeniden) ein einziges Ganzes. Eine kompakte Neugestaltung, die dem Urtext so getreu wie nur möglich folgt und die fremde Schönheit des alten Dramas gut verständlich zu erhalten versucht. Der Bogen spannt sich von der Heimkehr des Siegers von Troja über Mord und Rachemord bis zu der Idee einer demokratischen Neuordnung der Macht. Mit diesem Werk erweist sich Aischylos als der Erfinder des Theaters und bereits als sein erster Vollender. Seine Verbindung von Sprache, Musik und Tanz, seine Erforschung der dunklen Wege der mensch- lichen Seele und sein konstruktiver Beitrag zu einer neuen Politik sind so nie wieder erreicht worden.