Was machen die sich selbst überlassenen Menschen? In diesem ersten Teil der Orestie, gebaut wie ein klassischer Kriminalfall, kommen die Götter nicht vor. Oder nur sehr indirekt: als Ausrede der Menschen für ihre eigenen Verbrechen. Für die alten Griechen geht es hier um die Frage, wie man mit einem als übermächtig und blind empfundenen Schicksal umgehen kann. Was ist überhaupt “Schicksal“? Lässt es sich beeinflussen? In wessen Hand liegt es. Im Hintergrund geht es dabei auch schon um einen Kampf zwischen Mann und Frau. Erzählt wird

der Ausbruch einer Frau aus den Gefängnissen der Gesellschaft und der Ehe – und des „Schicksals“. (Und das zweieinhalbtausend Jahre vor Ibsens „Nora“!) Allerdings verursacht

dieser Ausbruch im Handumdrehen blutige Rache, und die scheinbare Selbstbefreiung führt in eine ausweglose Situation.) Aischylos hat schon damals seinem Publikum vor Augen gestellt, dass es für die wichtigen Fragen keine einfachen Lösungen gibt – wir müssen das heute wieder neu lernen.

Die Funktion des Chors verändert sich bei Aischylos von Stück zu Stück. Wir müssen also versuchen, jeweils andere chorische Darstellungsformen zu entwickeln. Es ist der Chor, der das Wesen der Antiken Tragödie bestimmt.